| Eigentlich bietet Schierke gute Voraussetzungen für den Wintersport im Mittelgebirge: Der Ort, rund
600 Meter hoch gelegen, ist von den höchsten Bergen des Harzes umgeben, der benachbarte Brocken seit einem Jahrhundert
bahnerschlossen, der schattige Nordhang des Wurmbergs gegenüber schneesicher, und man kann sogar auf mehrere Jahrzehnte
Wintersporttradition zurückblicken.
Und doch ist es ganz anders gekommen in Schierke. Die Einrichtung der Sperrzone an der Staatsgrenze der DDR nach 1952 sorgte für ein jähes Ende der Rolle Schierkes als "Sankt Moritz des Nordens". Nach der Wende 1989 und der Wiedervereinigung 1990 verhinderte die Erklärung nahezu des gesamten Gemeindegebietes zum Nationalpark durch die letzte DDR-Regierung mehr als zehn Jahre lang den wintersportlichen Neubeginn, den die Gemeinde im Konzept "Schierke 2000" manifestiert hat. Somit wurde die Chance verpasst, am vergleichsweise freigiebigen Ausgabeverhalten der Wintersportgäste zu partizipieren - bei den westlichen Nachbarn ein bedeutender Teil der jährlichen Fremdenverkehrseinnahmen. Die Auswirkungen sieht und merkt man Schierke bis heute an. Wenn nicht gerade Walpurgis ist, ist in Schierke wenig los. Es fehlt an touristischer Infrastruktur und attraktiven Angeboten. Es mutet merkwürdig an, dass die höchsten Erhebungen aller deutschen Mittelgebirge Wintersportmöglichkeiten bieten, aber ausgerechnet der schneesichere Brocken nicht. Zwar mag es heute sinnvoll erscheinen, die ehemaligen Schierker Wintersporteinrichtungen am Fuße des Brockens nicht an Ort und Stelle wiedererrichtet oder neu konzipiert zu haben, denn das Brockengebiet ist auch ohne Wintersportler vom Besucherstrom überlastet. Dagegen erscheint die zehnjährige nationalparkbedingte Blockade der Alternative, dann wintersportlich auf die Nordhänge des von Braunlager Seite ohnehin erschlossenen Wurmbergs auszuweichen, als lobbyistischer Selbstzweck. An diesen Hängen finden sich weder endemische Urwaldreste wie am Brocken noch bedrohte Tierarten, sondern lediglich Plantagen jahrzehntealter forstlicher Fichtenmonokultur. Selbst Deutschlands Ober-Waldschützer Horst Stern fand in den neunziger Jahren im Nationalparkgebiet am Großen Winterberg so gar nichts Schützenswertes vor. Zwar gibt es zwischen der Gemeinde Schierke und dem Nationalpark mittlerweile eine Einigung über die wintersportliche Nutzung ehemaliger Nationalparkflächen am Großen Winterberg. Die freigegebenen Flächen sind wintersportlich aber nur zweite Wahl, die attraktiven Hänge auf der Wurmbergnordseite sind nach wie vor Nationalpark. Mit der wintersportlichen Minimalfreigabe des Wurmbergnordhangs sind die Planungen des zehn Jahre alten, terminlich überfälligen Konzepts "Schierke 2000" in ein realisierungsnäheres Stadium getreten. Im September 2004 wurde ein erster Grobplan veröffentlicht. Er basiert auf dem Bau einer Seilbahn vom Schierker Waldparkplatz zur Bergstation der Braunlager Wurmbergbahn unter Einbindung eines Sessellifts am Großen Winterberg und eines Zubringerschlepplifts. Leider verdienen die konzipierten Abfahrten nur im oberen Drittel des Planungsgebiets ihren Namen, die unteren zwei Drittel sind vorwiegend flach und bieten teilweise nur Ziehwegpotential. Dies ist aber nur das kleinere Problem bei der Realisierung von "Schierke 2000". Das größere ist, dass sich für das wegen der Auflagen für seilbahntechnische Neuerschließungen 15 Millionen Euro schwere Projekt noch immer nicht die benötigten Investoren gefunden haben. Während in 2002 mit wenig Aufwand einige neue Loipen im Wurmberggebiet angelegt werden konnten, musste die Realisierung des Alpinski-Konzepts von "Schierke 2000" zunächst auf 2003, dann auf 2007 und mittlerweile auf unbestimmt verschoben werden. Da erscheint es fraglich, ob das Projekt überhaupt jemals umgesetzt wird, Schierke also überhaupt jemals wieder ein Skigebiet bekommt und damit eine neue Chance erhält, sein Fristen im touristischen Dämmerstadium zu beenden. Zur Information über den Projektstatus stehen hier eine eigene Fotomontage, eine offizielle Skizze des geplanten Skigebiets vom September 2004 (Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung) und ein Auszug aus der entsprechenden Karte des Nationalparks Hochharz (Quelle: NP Hochharz) zur Verfügung. Aus den Abbildungen ist abzuleiten, dass das Planungsstadium von "Schierke 2000" noch nicht in die Detailphase eingetreten ist: |
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© Harzwinter.de |
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Geplante Skianlagen Schierke 2000: 1 Seilbahn, 1 Sessellift, 1 Schlepplift |
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| Links: Planungen für Wintersportzentrum zwischen Braunlage und Schierke (Goslarsche Zeitung) Planung Seilbahnbau am Winterberg (Newsclick) Planung Skihang Winterberg: PDF 1, S. 11-12 und PDF 2, S. 13-14 (DSV Umweltbeirat) Schierke und die letzte Rache der DDR (Berliner Zeitung) |